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Die häufigste Frage, die ein darstellender Künstler gestellt bekommt, ist: "Warum bist du Schauspieler geworden?"

Obwohl sicher jeder seine eigene Begründung hat, sind diese meist wenig originell - so auch meine nicht. Einem Darsteller ist es möglich, Welten zu erfahren, die er in seinem normalen Umfeld sonst niemals erreichen würde. Er darf sich völlig in ein Gefühl hinein steigern, kann weinen, lieben und Gewalt anwenden, ohne damit jemandem zu schaden - ja, je brutaler, wahnsinniger und mitreißender sein Tun ist, desto mehr Freude und Anerkennung weckt er in Jenen, die ihn beobachten.
Eine Szene zu erarbeiten, und immer wieder zu reproduzieren, ist eine fordernde, anstrengende, beglückende und tiefgreifende Erfahrung, die einem enorme Einblicke in das Wesen der Mitspielenden gewährt - noch mehr in das Eigene. Man muss sich völlig aufgeben und immer wieder neu (er-)finden können. Insofern kann man behaupten, dass es die unbegrenzte Freiheit ist, die mich an die Schauspielerei fesselt und immer binden wird. Zudem spielen natürlich der Stolz gesehen zu werden, sowie die Aussicht auf eventuellen Ruhm, eine nicht unerhebliche Rolle.

Nicht minder häufig, dafür schwieriger zu beantworten, will gewusst werden: „Möchtest du denn lieber zum Film oder auf die Bühne?"

Sollte ich jemals eine endgültige Antwort auf diese Frage finden, kann ich glücklich sterben. Natürlich gibt es Tage, an denen ich mir sicher bin, dass nur jene Bretter, welche nach altem Glauben die Welt bedeuteten, mir Glückseeligkeit verschaffen können. Keine Woche später sehe ich zufällig Ausschnitte eines Films, an dem ich mitwirken durfte, und denke: „Andererseits …“
Der Reiz und die Anforderung einer Aufführung an Theatern besteht aus szeneweise Handlung, die voller Inbrunst gefüllt werden möchte. Fehler müssen erkannt und genutzt, Gefühle zum x-ten Male hervorgeholt und erlebt, sowie Improvisation, Textsicherheit und Konzentration bewiesen werden. Über allem schwebt die Liebe zum Spiel, so greifbar, dass sie die Zuschauer mitreißt in eine Welt, die weit jenseits derer liegt, die wir als Realität bezeichnen.
Der Film wiederum baut auf minimale Regungen. Der Schauende steht meistens in unmittelbarer Nähe des Schauspielers, kann dessen Mimik, Körpersprache und Stimmlage aus kleinster Entfernung beobachten und in sich aufnehmen - ein falsches oder nicht ehrliches Gefühl wird sofort erkannt. Dennoch darf die Darstellung nicht 'klein' sein: Sie muss noch über das Medium des Bild- und Tonmittschnitts in einem Maße mitreißen, das dem Zuschauer das Einfühlen in ein fremdes Ich ermöglicht, sodass Kinosaal oder Wohnzimmer vergessen sind.